Als AfD-Landtagsfraktionspressesprecher, Publizist mit inzwischen vier Büchern und Freier Journalist für konservative Medien blogge ich nunmehr regelmäßig Betrachtungen zu Interessantem und Wissenswertem aus politischer und Alltagskultur. Ich schreibe regelmäßig für „Zuerst“ und jüngst Ansage, habe unter dem Titel „Negerkuss und Nazistuss“ eine eigene Kolumne beim Tumult-Blog und kommentiere bei Kontrafunk.
Als Bildungsbürger kommentiere/rezensiere ich vielerlei kulturelle Phänomene – vom Roman über den Musikergeburtstag bis zum Regisseurstod.
Als Dozent und Mitglied im Landesfachausschuss Bildung informiere ich Sie auf meiner Webpräsenz auch über meine Aktivitäten rings um die Themenkreise Hochschule, Wissenschaft, Medien und Kultur.
Und als Mensch lasse ich Sie gern an meinen freizeitlichen Aktivitäten teilhaben, zu denen nicht zuletzt Kochen gehört 😉
Warum gerade Betrachtungen?
Ich empfinde dieses Genre – eine Meinungsdarstellungsform übrigens – als eins der zeitgemäßen schlechthin.
Eine Betrachtung soll durch Beschreibungen und Schilderungen, Vergleiche und Annäherungen bis hin zur Analyse einem Ereignis, einer Situation, einem Gegenstand oder auch einem (gesellschafts-) politischen Problem Individualität verleihen: Recherche darf in gewissem Maße substitutiert werden durch Subjektivität.
Die Betrachtung ist durchaus mit derselben eines Kunstwerks in einer Ausstellung vergleichbar: man wählt zunächst die Gesamtschau und wechselt dann zu einzelnen Aspekten.
Dabei ist dem Genre eigen, dass die Prioritäten dieser Aspekte oft im Vagen bleiben: aus der Betrachtung erwächst ein Gedanke, der das formale Ziel darstellt.
Der Gegenstand darf dabei Randerscheinung eines größeren Zusammenhangs bleiben: „die Bedeutung des Unbeachteten birgt den Kern ihrer Aussage“ (Degen 2004).
Viel Spass beim Lesen – und natürlich beim Kommentieren!
Rahel Jaeggi verteidigt in der FAZ die Möglichkeit einer Wissenschaft, die sich nicht mit vermeintlicher Neutralität begnügt, sondern normative Voraussetzungen ausdrücklich anerkennt. Anlass ist die Aktionswoche „Wissenschaft gegen Faschismus“. Die Philosophin wendet sich gegen den Einwand, schon eine solche Selbstbeschreibung verletze das Gebot wissenschaftlicher Wertfreiheit. Ihre zentrale These lautet: Wissenschaft ist niemals voraussetzungslos. Sie orientiert sich an Wahrheit, arbeitet mit Begriffen, wählt Gegenstände aus, setzt Relevanzen und bewegt sich damit immer schon in einem normativen Horizont.
Das klingt zunächst plausibel. Es löst aber das Problem nicht, sondern verschiebt es. Denn niemand bestreitet ernsthaft, dass Wissenschaftler Werte haben, dass sie ihre Forschungsgegenstände auswählen oder dass Wahrheit selbst eine epistemische Norm darstellt. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Darf aus dieser unvermeidlichen Wertbezogenheit eine politische Parteinahme der Wissenschaft folgen? Genau hier bleibt Jaeggis Argumentation unscharf. Sie verwischt die Grenze zwischen der normativen Voraussetzung wissenschaftlicher Arbeit und der politischen Festlegung dessen, was Wissenschaft herausfinden soll.
Die klassische Forderung nach Wertfreiheit bedeutet nicht, Wissenschaft müsse im moralischen Niemandsland stattfinden. Max Webers Unterscheidung war subtiler: Werte können bestimmen, was untersucht wird; sie dürfen aber nicht bestimmen, welches Ergebnis herauskommen muss. Ein Forscher kann Armut untersuchen, weil er Armut für unerträglich hält. Er darf daraus aber nicht folgern, welche Ursachen von Armut wissenschaftlich zulässig sind. Ein Kriminologe kann Gewalt verhindern wollen und trotzdem verpflichtet sein, Täterstrukturen, Herkunft, Milieus oder kulturelle Faktoren ergebnisoffen zu analysieren. Ein Historiker darf den Nationalsozialismus moralisch verurteilen; daraus folgt nicht, dass jeder gegenwärtige politische Gegner bereits unter den Begriff „Faschismus“ subsumiert werden darf.
Der Begriff als Vorentscheidung
Gerade bei einer Aktion „Wissenschaft gegen Faschismus“ liegt deshalb das Problem eine Stufe tiefer. Niemand verlangt von Wissenschaftlern Neutralität gegenüber Auschwitz. Strittig ist, wer oder was heute überhaupt „faschistisch“ genannt werden kann. Ist eine Partei faschistisch? Sind bestimmte Positionen autoritär, nationalkonservativ, populistisch, ethnisch-national oder tatsächlich faschistisch? Genau das wären Fragen wissenschaftlicher Analyse. Wer jedoch mit der Formel „gegen Faschismus“ beginnt, hat einen Teil des Ergebnisses bereits in die Fragestellung eingebaut.
Von Anjadescartesfire – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60620400
Das gilt ebenso für das Wort „völkisch“, das schon in der Überschrift von Jaeggis Beitrag eine zentrale Rolle spielt. Der Begriff ist historisch hochgradig belastet. Er kann ethnischen Nationalismus, Abstammungsdenken, Rassentheorie oder organische Volksvorstellungen bezeichnen. Er kann aber im politischen Gebrauch auch als unscharfes Verdachtswort dienen, das unterschiedliche konservative oder identitäre Positionen in die Nähe des Nationalsozialismus rückt.
Wissenschaft müsste hier zuerst differenzieren. Welche Aussage ist tatsächlich „völkisch“? Welcher Volksbegriff liegt ihr zugrunde? Was unterscheidet kulturelle Kontinuitätsvorstellungen von biologischem Rassismus? Wo beginnt Exklusion, wo handelt es sich schlicht um historische oder nationale Selbstbeschreibung?
Wird diese Arbeit übersprungen, verwandelt sich der Begriff vom Analyseinstrument in ein Etikett. Danach lässt sich leicht fragen, wie man denn gegenüber „völkischem Denken“ neutral bleiben könne. Die moralische Antwort ist dann schon durch die Wortwahl vorgegeben. Das ist der erste grundlegende Fehlschluss: Aus der moralischen Ablehnung eines bereits definierten Faschismus wird eine Berechtigung abgeleitet, aktuelle politische Phänomene im Voraus unter genau diesen Begriff zu stellen.
Epistemische Normen sind keine politischen Programme
Jaeggi argumentiert, normative Voraussetzungen ließen sich aus Wissenschaft nicht entfernen. Auch das ist richtig. Wissenschaft lebt von Normen: Wahrhaftigkeit, Nachprüfbarkeit, Widerspruchsfreiheit, methodische Transparenz, Falsifizierbarkeit, Revidierbarkeit.
Doch aus diesen epistemischen Normen folgt kein politisches Programm. „Wahrheit“ und „Emanzipation“ sind nicht dieselbe Art von Norm. „Methodische Nachvollziehbarkeit“ und „Antifaschismus“ ebenfalls nicht. Erstere gehören zur inneren Grammatik wissenschaftlicher Erkenntnis. Letztere sind gesellschaftspolitische Ziele.
Die Gleichsetzung beider Ebenen ist der entscheidende Kategorienfehler. Dass Wissenschaft ohne Wahrheitsorientierung keine Wissenschaft wäre, beweist nicht, dass sie sich institutionell einem politischen Ziel verschreiben darf. Gerade Jaeggis Formulierung, kritische Theorie sei eine „Parteilichkeit für eine Partei, die das Parteiliche abschafft“, offenbart das Problem besonders deutlich. Denn damit wird die eigene Position nicht weniger parteilich. Sie erklärt sich lediglich selbst zur universalistischen Ausnahme.
Der Marxist kann behaupten, er vertrete nicht eine Klasse, sondern die Klasse, die alle Klassen abschafft. Der Revolutionär kann sagen, seine Partei diene der Überwindung aller Parteien. Der Autoritäre kann Freiheit beschneiden und dies mit der Herstellung „wahrer Freiheit“ begründen. Solche Konstruktionen immunisieren die eigene Position gegen den Vorwurf der Parteilichkeit, indem sie ihr einen höheren historischen oder moralischen Rang zuschreiben. Das ist philosophisch traditionsreich, aber wissenschaftstheoretisch gefährlich.
Wenn die eigene Weltanschauung zur Vernunft wird
Jaeggi selbst beschreibt Ideologie sinngemäß als eine Perspektive, die den eigenen partikularen Standpunkt zum selbstverständlichen allgemeinen Standpunkt erhebt. Gerade hier gerät ihr Text in einen Selbstwiderspruch.
Denn Begriffe wie „Emanzipation“ erscheinen nicht als politisch umstrittene Zielsetzungen, sondern als Ausdruck eines sich historisch entfaltenden Vernunftpotentials. Damit wird eine bestimmte philosophische Tradition von vornherein mit dem Allgemeinen identifiziert. Doch warum sollte gerade diese Tradition das Privileg besitzen, sich selbst als Vernunft auszugeben?
Ein Konservativer könnte ebenso behaupten, seine Position verteidige nicht partikulare Interessen, sondern die anthropologischen Bedingungen menschlicher Gemeinschaft. Ein Liberaler könnte Eigentum und Vertragsfreiheit zu Voraussetzungen universaler Freiheit erklären. Ein Nationaler könnte die Nation als notwendige Bedingung demokratischer Selbstbestimmung verstehen.
Solche Selbstbeschreibungen beweisen gar nichts. Die politische Position wird nicht objektiv, indem sie sich selbst für universal erklärt. Wissenschaft muss deshalb gerade dort skeptisch werden, wo eine Weltanschauung behauptet, keine Weltanschauung mehr zu sein.
Das eigentliche Problem beginnt vor dem Forschungsergebnis
Noch wichtiger ist allerdings eine Ebene, die Jaeggis Text nur unzureichend erfasst: Wissenschaft wird nicht erst dann politisch beeinflusst, wenn jemand ein unerwünschtes Ergebnis verbietet. Sie wird viel früher strukturiert. Welche Professuren entstehen? Welche Institute werden gegründet? Welche Themen erhalten Sonderprogramme? Welche Projekte bekommen Drittmittel? Welche Fragestellungen passen in Förderlinien? Welche theoretischen Schulen reproduzieren sich durch Berufungen?
Der zugespitzte Satz, es gebe „acht Lehrstühle für Kernforschung, aber 173 Lehrstühle für Genderforschung“, müsste für eine belastbare Tatsachenbehauptung nach Definition und Stichtag überprüft werden. Als politische Chiffre verweist er jedoch auf eine reale wissenschaftspolitische Frage: Kann Wissenschaftsfreiheit allein darin bestehen, dass niemand ausdrücklich verboten bekommt, über Kernenergie zu forschen, wenn über Jahrzehnte institutionelle Kapazitäten abgebaut werden, während andere Felder durch Programme, Professuren und Fördermittel expandieren?
Ein Staat muss selbstverständlich Schwerpunkte setzen. Ressourcen sind begrenzt. Nicht jede unterschiedliche Finanzierung ist politische Zensur. Aber Förderung ist auch niemals völlig neutral. Wer Professuren schafft, schafft Forschungsgegenstände. Wer Programme ausschreibt, setzt Problemdefinitionen. Wer Drittmittel an bestimmte Zielsetzungen bindet, strukturiert, welche Fragen überhaupt karrierefähig werden.
Der Unterschied zwischen Verbot und Verdrängung
Damit entsteht eine Form politischer Steuerung, die subtiler ist als Zensur. Man muss Kernenergieforschung nicht verbieten, wenn kaum noch entsprechende Lehrstühle ausgeschrieben werden, Versuchsanlagen verschwinden und Nachwuchswissenschaftler keine Perspektiven sehen. Man muss auch bestimmte gesellschaftspolitische Positionen nicht verbieten, wenn Förderprogramme nur Projekte honorieren, die bereits von „struktureller Diskriminierung“, „Heteronormativität“, „Transformation“, „Dekolonisierung“ oder anderen politisch aufgeladenen Problemdefinitionen ausgehen.
Die entscheidende Frage lautet dann: Darf der Antragsteller auch untersuchen, ob das behauptete Problem überhaupt in der angenommenen Form existiert? Wenn eine Förderlinie beispielsweise voraussetzt, dass eine bestimmte gesellschaftliche Ungleichheit Ausdruck von Diskriminierung ist, und lediglich nach Mechanismen und Gegenmaßnahmen fragt, dann ist ein Teil des Resultats in die Ausschreibung eingebaut. Das ist keine offene Zensur. Es ist epistemische Pfadabhängigkeit.
Ein Atomkern existiert unabhängig davon, ob es einen Lehrstuhl für Kernphysik gibt. Bei Begriffen wie „Heteronormativität“, „Intersektionalität“, „toxische Männlichkeit“ oder bestimmten Konstruktionen von „Gender“ liegt die Sache anders: Hier enthält bereits die Beschreibung des Forschungsgegenstandes theoretische Vorannahmen. Das macht solche Forschung nicht automatisch unwissenschaftlich. Auch Ökonomie, Soziologie oder Rechtswissenschaft arbeiten mit theoretisch erzeugten Kategorien. Aber es erhöht die Verpflichtung zur Reflexivität.
Denn wenn der Staat hundertfach Institute finanziert, deren Ausgangspunkt beispielsweise lautet, gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse seien als Macht- oder Diskriminierungsstrukturen zu analysieren, dann finanziert er nicht bloß die Untersuchung eines neutral vorgefundenen Objekts. Er institutionalisiert zugleich ein bestimmtes Problembeschreibungsmodell.
Die Politik definiert ein Problem. Wissenschaft beantragt Geld zur Erforschung dieses Problems. Die Forschung produziert Publikationen, welche die gesellschaftliche Relevanz des Problems bestätigen. Diese Publikationen rechtfertigen wiederum neue Programme. So kann sich ein Forschungsfeld selbst verstärken, ohne dass jemals ein Minister ein Forschungsergebnis diktiert.
Genau davor fürchtet sich die akademische Linke
Bemerkenswert ist, dass viele linke Wissenschaftler dieses Problem sofort verstehen, sobald sie sich eine konservative Regierung vorstellen. Was geschähe, wenn eine rechte Wissenschaftspolitik erklärte, Gender Studies, postkoloniale Theorie oder bestimmte Spielarten der kritischen Migrationsforschung seien ideologisch und deshalb nicht mehr förderwürdig? Was, wenn Professuren nicht wiederbesetzt, Programme beendet und Mittel in Kerntechnik, Demographie, Familienforschung oder nationale Identitätsforschung umgeschichtet würden?
Der Aufschrei wäre groß – und teilweise berechtigt. Denn Wissenschaftsfreiheit wäre tatsächlich gefährdet, wenn eine Regierung Forschung allein deshalb institutionell austrocknete, weil deren mögliche Ergebnisse politisch unerwünscht sind. Nur muss dasselbe Prinzip dann auch in die andere Richtung gelten. Es kann nicht lauten: Linke Wissenschaftspolitik setzt legitime gesellschaftliche Prioritäten, rechte Wissenschaftspolitik betreibt ideologische Säuberung. Entweder darf der Staat Forschungsfelder politisch nach Weltanschauung ordnen – oder er darf es nicht.
Der einfachste Test besteht in einem Rollentausch. Angenommen, eine konservative Bundesregierung finanzierte hundert Professuren unter dem Titel „Nationale Identität und gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Förderprogramme sollten die kulturellen Kosten massiver Migration, die Stabilität traditioneller Familienstrukturen oder mögliche Vorteile gesellschaftlicher Homogenität untersuchen.
Viele heutige Verteidiger politisch engagierter Wissenschaft würden sofort fragen, ob hier das gewünschte Resultat bereits in der Problemdefinition stecke. Sie hätten damit recht. Aber dieselbe Frage muss gestellt werden, wenn Programme „Diversität“, “Geschlechtergerechtigkeit“, „Dekolonisierung“ oder „Transformation“ zum Ausgangspunkt nehmen. Wissenschaftliche Qualität kann nicht davon abhängen, welche politische Richtung das Erkenntnisinteresse besitzt.
Der entscheidende Maßstab lautet: Kann die Ausgangsthese widerlegt werden? Kann Genderforschung zu dem Ergebnis gelangen, dass ein behauptetes Machtverhältnis empirisch nicht existiert? Kann Migrationsforschung feststellen, dass ein bestimmtes Migrationsregime erhebliche gesellschaftliche Nachteile erzeugt? Kann Klimapolitikforschung zu dem Ergebnis kommen, dass ein politisches Instrument ineffizient oder kontraproduktiv ist? Kann Rechtsextremismusforschung feststellen, dass eine untersuchte Position zwar konservativ oder national, aber nicht extremistisch ist? Erst dort zeigt sich Ergebnisoffenheit.
Das Gegenmittel heißt nicht rechte Gegenwissenschaft
Aus dieser Kritik folgt keineswegs, linke Forschungsfelder zu verbieten. Das wäre nur die spiegelbildliche Wiederholung desselben Fehlers. Eine konservative Wissenschaftspolitik sollte nicht entscheiden, welche Ergebnisse richtig sind. Sie sollte dafür sorgen, dass alternative Hypothesen überhaupt institutionelle Chancen besitzen.
Genderforschung darf existieren. Aber ihre Grundannahmen müssen genauso kritisierbar sein wie die jeder anderen Disziplin. Migrationsforschung darf politische Probleme untersuchen. Aber sie muss sowohl Nutzen als auch Kosten analysieren können. Kernenergieforschung darf nicht deshalb institutionell verschwinden, weil eine Regierung politisch beschlossen hat, Kernenergie nicht mehr zu wollen.
Wissenschaftspolitik sollte Optionen offenhalten, nicht Weltanschauungen konservieren. Das wäre tatsächlich ein konservatives Verständnis von Wissenschaftsfreiheit: Schutz vor epistemischer Monokultur. Jaeggis Hauptargument lebt letztlich von einer falschen Alternative. Entweder Wissenschaft bezieht Stellung gegen Faschismus – oder sie bleibt moralisch neutral gegenüber Faschismus. Doch das ist nicht die wirkliche Wahl.
Ein Wissenschaftler kann Faschismus moralisch verurteilen und trotzdem wissenschaftlich offen untersuchen, was Faschismus ist. Er kann Rassismus ablehnen und dennoch konkurrierende Definitionen von Rassismus prüfen. Er kann eine Partei persönlich für gefährlich halten und als Forscher trotzdem feststellen, dass ein bestimmter Extremismusvorwurf empirisch nicht trägt. Er kann politisch demonstrieren und wissenschaftlich Ergebnisse publizieren, die seiner eigenen politischen Überzeugung widersprechen. Das ist keine Schizophrenie. Es ist professionelle Rollentrennung.
Wissenschaftsfreiheit schützt die unbequeme Frage
Die eigentliche Probe auf Wissenschaftsfreiheit besteht deshalb nicht darin, ob Universitäten Positionen schützen, die in ihrem Milieu ohnehin Mehrheiten besitzen. Sie beginnt bei den unangenehmen Fragen. Ist Kernenergie unter bestimmten Voraussetzungen ökologisch und ökonomisch sinnvoller als ein vollständig erneuerbares Energiesystem? Erzeugt bestimmte Migration messbare Probleme bei Kriminalität, Sozialstaat oder Integration? Sind manche geschlechtsspezifischen Unterschiede biologisch mitbedingt? Sind bestimmte Ungleichheiten tatsächlich Diskriminierung oder Ergebnis anderer Faktoren? Sind traditionelle Institutionen möglicherweise funktionaler, als progressive Theorien annehmen?
Genauso muss gefragt werden dürfen, ob gesellschaftliche Strukturen Menschen diskriminieren, ob Rassismus fortwirkt oder ob traditionelle Institutionen ungerechte Machtverhältnisse stabilisieren. Wissenschaftsfreiheit schützt nicht „rechte“ oder „linke“ Antworten. Sie schützt die Möglichkeit, Fragen zu stellen, deren Antwort politisch unerwünscht sein könnte.
Jaeggi hat recht mit einem begrenzten Satz: Wissenschaft ist nicht voraussetzungslos. Doch daraus folgt nicht, dass Wissenschaft politisch Partei ergreifen soll. Es folgt vielmehr das Gegenteil. Gerade weil Wissenschaftler Werte besitzen, gerade weil Forschungsgegenstände ausgewählt werden und gerade weil Institutionen Interessen und Weltbilder reproduzieren können, braucht Wissenschaft Regeln der Selbstbegrenzung: Ergebnisoffenheit, methodischen Pluralismus, transparente Begriffe und institutionellen Wettbewerb.
Der gefährlichste Zustand entsteht nicht dort, wo Wissenschaft verschiedene politische Perspektiven zulässt. Er entsteht dort, wo eine Perspektive so dominant geworden ist, dass sie ihre eigene politische Herkunft nicht mehr erkennt und sich selbst schlicht „Vernunft“, „Emanzipation“ oder „Wissenschaft“ nennt.
Dann wird der politische Gegner nicht mehr widerlegt, sondern aus dem Bereich des wissenschaftlich Legitimen herausdefiniert. Und genau hier liegt das Paradox der gegenwärtigen Debatte: Aus Angst davor, eine künftige rechte Regierung könne bestimmen, welche Forschung noch erwünscht ist, verteidigt ein Teil des akademischen Milieus Strukturen, in denen längst politisch mitbestimmt wird, welche Forschungsfragen institutionell Karriere machen.
Die richtige Antwort darauf ist weder Säuberung noch Gegenideologie. Sie ist eine Wissenschaftsfreiheit, die ihren Namen verdient: frei nicht von Werten, sondern frei genug, auch die eigenen Werte zum Gegenstand der Prüfung zu machen.
Ohne Aneignung gäbe es keine Kulturgeschichte, sondern nur isolierte ethnographische Reservate. Dass Tee über koloniale Handelswege nach Europa gelangte, gehört zu seiner Geschichte – aber dass Ostfriesen daraus über Jahrhunderte eine spezifische Zeremonie entwickelten, gehört ebenso dazu. Wer nur die erste Geschichte moralisch auflädt und die zweite degradiert, betreibt selektive Geschichtsschreibung.
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Meine Anmerkungen zur kolonialen Zuschreibung des Ostfriesentees, die wie immer gern verbreitet werden können.
Merke: Wer einer Mehrheit lange genug erklärt, ihre Erfahrungen, Wahrnehmungen und Urteile seien das Problem, sollte sich nicht wundern, wenn diese Mehrheit irgendwann diejenigen zum Problem erklärt, die ihr das erklären.
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Meine Anmerkungen zur Gesellschaftsklitterung der Ostsee-Zeitung, die wie immer gern verbreitet werden können.
Wer zwischen einem Grünen-Wähler und einem vermummten Steinewerfer unterscheiden kann, sollte auch zwischen einem AfD-Wähler und einem Neonazi-Schläger unterscheiden können. Sonst wird politische Analyse zur Kontaktschuld.
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Meine Anmerkungen zu Christian Bangels Zeit-Geschwurbel, die wie immer gern geteilt werden können.
Gesellschaften dürfen ihre Überzeugungen ändern. Aber dann müssen die neuen Konzepte nicht nur die Realität besser erklären, sondern bessere Resultate hervorbringen. Genau hier liegt das Problem. Der Bürger erlebt hohe Energiepreise, Wachstumsschwäche, Infrastrukturdefizite, kommunale Überforderung, Wohnungsnot, Migrationskonflikte und eine zunehmend sichtbare Belastung des Sozialstaats – und hört gleichzeitig, der eingeschlagene Weg sei im Wesentlichen richtig und müsse lediglich entschlossener fortgesetzt werden.
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Meine Anmerkungen am Magdeburger Wahltag, die wie immer gern verbreitet werden können.
So groß ist die Irreführung der NDR-Berichterstattung, dass der Verein Nuklearia deshalb nun eine Programmbeschwerde gegen den NDR eingereicht hat. Der zentraler Einwand ist verblüffend einfach: Der Sender vergleiche beim Leistungswert den Windpark mit einem einzigen der drei geplanten Reaktoren, bei den Kosten jedoch denselben Windpark mit der Gesamtinvestition mit dem gesamten Kraftwerk, das nicht aus einem, sondern aus drei Reaktoren besteht. Die Vergleichsbasis wird also mitten in der Rechnung gewechselt.
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Meine Anmerkungen zur öffentlich-rechtlichen Falschberichterstattung.
Früher standen sich im Zweifel Staaten und große Medien gegenüber. Der gewöhnliche Bürger war Zuschauer. Inzwischen kann staatliche Kommunikation mit einem Handyfoto konfrontiert werden, das jemand zufällig an einer Landstraße aufgenommen hat. Der Zeuge braucht den Sender nicht mehr zwingend, um Zeuge zu werden. Natürlich kann auch ein Handyvideo täuschen. Aber es lässt sich prüfen. Und diese Prüfbarkeit ist wichtiger als die Herkunft.
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Meine Anmerkungen zur digitalen Nemesis von Alexander Wendt, die wie immer gern geteilt werden können.
Denn wer einen Kinderfilm als Sicherheitsproblem definiert, verändert nicht nur den Begriff von Kinderfilm, sondern zugleich den Begriff der Sicherheit. Nationale Sicherheit bezeichnet dann nicht mehr allein die Unversehrtheit des Staatsgebietes, die Funktionsfähigkeit der Institutionen oder den Schutz vor Spionage, Sabotage und militärischem Angriff. Sie erstreckt sich auf die imaginäre Sphäre: auf Bilder, Erinnerungen, Symbole und kulturelle Vertrautheit.
Meine Anmerkungen zum Verbot von „Mascha und der Bär“ in der Ukraine, die wie immer gern geteilt werden können.
Eine selbstbewusste Geschichtsschreibung kann fremde Leistungen anerkennen, ohne die eigenen zum Fäkalienwitz zu degradieren. Genau diese Fähigkeit zur Gleichzeitigkeit fehlt der “Fritz”-Grafik. Auf der islamischen Seite erscheinen Handschriften, Gelehrte und Wissenschaft. Auf der europäischen Seite erscheint ein Mann beim Stuhlgang. Das ist kein Vergleich, sondern eine Karikatur.
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Meine Anmerkungen zur „Fritz“-Grafik, die wie immer gern geteilt werden können.
Omar Kamils Buch „Muslimischer Antisemitismus. Woher er kommt, wie er wirkt und was wir tun können“ (C.H. Beck, 2026) tritt mit einer These an, die im deutschen Diskurs nach dem 7. Oktober 2023 willkommen klingen mag: Der Judenhass unter Muslimen sei kein Wesensmerkmal des Islams, sondern ein giftiger Import aus dem Europa des 19. und 20. Jahrhunderts. Erst im Zuge des Nahostkonflikts, der Nakba und des Scheiterns des arabischen Nationalismus habe sich dieser Import mit islamischer Überlieferung verbunden und sei zur breiten Erscheinung geworden.
Die „Protokolle der Weisen von Zion“, Ritualmordlegenden und christlich-arabische Übersetzer europäischer Traktate figurieren als entscheidende Übertragungswege. Die Dhimmi-Status der Juden unter islamischer Herrschaft wird relativ milde gezeichnet, die lange Geschichte geistigen Austauschs – Maimonides als Kronzeuge – hervorgehoben. Antisemitismus sei „keine historische Abweichung“, die sich korrigieren lasse, kein Teil des „Wesens“ von Religion oder Kultur.
Diese Erzählung ist politisch nicht neutral. Sie ist eine Entlastungsstrategie, die die Verantwortung primär nach Europa verlagert, die theologischen Quellen relativiert und den Konflikt mit Israel zum eigentlichen Katalysator erklärt. Dementsprechend genüsslich breitete Christoph Schmidt in der linken Frankfurter Rundschau diese Entlastungserzählung aus.
Aus rechtsintellektueller Perspektive – also aus einer Haltung, die historische Kontinuität, kulturelle Realitäten und die Interessen westlicher Gesellschaften priorisiert – verdient diese These keine Zustimmung, sondern eine nüchterne Prüfung. Sie unterschätzt die Eigenständigkeit islamischer Traditionen, verwischt die Differenz zwischen klassischem Antijudaismus und modernem Antisemitismus und produziert eine Politik der Schonung, die in Europa bereits fatale Folgen hat.
Prinzip der islamischen Superiorität
Beginnen wir mit dem historischen Befund. Es ist unbestritten, dass europäische Verschwörungsmythen im 19. und 20. Jahrhundert in die arabische Welt gelangten und dort begeistert aufgenommen wurden. Die „Protokolle“ wurden Bestseller, Nationalsozialisten und Islamisten fanden zeitweise gemeinsame Sprache. Doch die Behauptung, muslimischen Gesellschaften seien solche Stereotype „zunächst fremd“ gewesen, ist eine Verkürzung.
Der Koran und die Hadith-Literatur enthalten eine Reihe von Stellen, die Juden als Treulose, Fälscher der Schrift, Gottesmörder im weiteren Sinne und als Verfluchte darstellen – etwa die Vergleiche mit Affen und Schweinen oder die Berichte über die Vernichtung der Banu Qurayza in Medina. Diese Texte sind nicht bloß „historische Kontextualisierungen“, die man modernistisch weginterpretieren kann; sie gehören zum kanonischen Fundus und werden in der islamistischen Exegese – von Sayyid Qutb bis zur Hamas-Charta – systematisch aktualisiert. Die Idee, der Prophet habe mit den jüdischen Stämmen Medinas einen „blutigen Konflikt“ gehabt, der die Wahrnehmung der „Leute der Schrift“ dauerhaft prägte, ist keine europäische Erfindung. Sie ist in der sira und den klassischen Kommentaren verankert.
Die vormoderne Praxis bestätigt die Diskriminierung. Juden und Christen lebten als Dhimmis unter Schutz, aber unter klarer rechtlicher Minderwertigkeit: Sondersteuern, Kleidungsvorschriften, Einschränkungen beim Hausbau, Zeugenrecht und öffentlicher Kultausübung. Periodische Gewalt – unter den Almohaden, den Mamluken, in Fez, Marrakesch oder im Jemen – war keine Ausnahme, sondern Teil eines Musters, das auf dem Prinzip der islamischen Superiorität beruhte.
Die romantische Vorstellung einer langen „Nähe“ und „Inspiration“ übersieht, dass diese Nähe stets hierarchisch war. Wo Juden kulturell blühten, geschah das unter den Bedingungen einer Schutzherrschaft, die jederzeit widerrufen werden konnte. Die Vertreibung und Flucht von Hunderttausenden Juden aus arabischen Ländern nach 1948 war nicht allein eine Reaktion auf den Zionismus; sie setzte ältere Ressentiments und die Logik des Dhimmi-Status unter modernen Bedingungen fort. Die europäische Moderne lieferte neue ideologische Waffen, aber das Feindbild war bereits vorhanden.
optimistisch bis zur Naivität
Politisch brisant wird Kamils These durch die Gleichsetzungstendenz von Schoah und Nakba. Er bestreitet die Einzigartigkeit des Judenmords nicht ausdrücklich, plädiert aber für eine stärkere Bezugnahme der Erinnerungsgeschichten. Das ist keine bloße akademische Nuance. In der Praxis öffnet es der Opferkonkurrenz Tür und Tor und relativiert die moralische Sonderstellung der Shoah in der deutschen und westlichen Erinnerungskultur.
Wer den Holocaust und die Flucht der Palästinenser in einem Atemzug nennt, bereitet den Boden für jene Narrative, die Israel als „koloniales“ oder gar „genozidales“ Projekt brandmarken und damit den klassischen Antisemitismus in antiimperialistisches Gewand kleiden. Die Umfragen, die Kamil selbst erwähnt – deutlich höhere Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen unter Muslimen als unter Christen oder Konfessionslosen –, werden so zu einem „historischen Produkt“ erklärt, das durch Aufklärung über gemeinsame Geschichte heilbar sei. Das ist optimistisch bis zur Naivität.
Die politische Realität in Europa nach dem 7. Oktober 2023 widerlegt diesen Optimismus. Die Welle antisemitischer Gewalt, die Demonstrationen mit „From the river to the sea“, die Angriffe auf Synagogen und jüdische Einrichtungen, die Verherrlichung der Hamas in Teilen der muslimischen Communities – all das lässt sich nicht allein mit „Import“ und „Nahostkonflikt“ erklären. Es handelt sich um die Aktivierung einer tradierte Feindschaft, die durch Migration und Parallelgesellschaften nach Europa übertragen wurde.
Wer die theologischen und kulturellen Wurzeln konsequent herunterspielt, macht sich unfähig, die Integrationsfrage ehrlich zu stellen. Die Solidarität der Umma, das in Koran und Sunna verankerte Gemeinschaftsgefühl, wirkt im Konfliktfall als Verstärker: Der Jude wird nicht primär als politischer Gegner Israels gesehen, sondern als Teil eines metaphysischen Feindes. Die islamistische Variante, die nach 1967 dominant wurde, ist keine bloße „Aufladung“ eines politischen Konflikts, sondern die Rückkehr zu einer älteren, religiös fundierten Ablehnung.
Antisemitismus ist nicht „korrigierbar“
Rechtsintellektuell muss man hier eine klare Grenze ziehen. Kulturen und Religionen sind keine leeren Gefäße, in die man beliebige Inhalte gießen kann. Sie tragen Prägungen, die über Jahrhunderte stabil bleiben und in Krisen reaktiviert werden. Der europäische Antisemitismus des 19. Jahrhunderts war eine moderne, rassistische Ideologie, die den religiösen Antijudaismus des Christentums transformierte und radikalisierte. Der muslimische Antijudaismus war und ist stärker theologisch-rechtlich strukturiert und weniger auf „Rasse“ als auf Glauben und Status bezogen.
Die Mischung beider Traditionen im 20. Jahrhundert hat etwas Neues und besonders Virulentes hervorgebracht. Aber die Vorstellung, man könne den muslimischen Anteil als „Abweichung“ von einem ansonsten friedfertigen Islam abspalten, ist eine westliche Projektion – eine Fortsetzung jener orientalischen Romantik, die den Islam immer schon besser verstand als die Muslime selbst. Die Konsequenzen für die deutsche und europäische Politik sind gravierend.
Wenn der Antisemitismus unter muslimischen Migranten primär als europäisches Erbe und als Reaktion auf Israel gilt, dann lautet die Therapie: mehr interreligiöser Dialog, mehr Erinnerung an die „goldenen Zeiten“ des Zusammenlebens, mehr Kritik an israelischer Politik und weniger Zumutung an die Herkunftskulturen. Das ist genau der Kurs, der seit Jahrzehnten gescheitert ist. Was nötig wäre, ist eine unsentimentale Konfrontation mit den kanonischen Texten, eine Reform des islamischen Religionsunterrichts, die die problematischen Stellen nicht wegredet, und eine Migrationspolitik, die kulturelle Kompatibilität ernst nimmt. Die Hoffnung, der Antisemitismus sei „korrigierbar“, weil er historisch entstanden sei, verkennt, dass historische Entstehung keine Garantie für leichte Beseitigung ist. Viele der stabilsten Vorurteile der Menschheit sind historisch entstanden.
Gesamtthese neigt zur Entlastung des Islams
Kamil leistet mit der Differenzierung zwischen vormoderner Praxis und moderner Radikalisierung einen Beitrag. Die Betonung christlich-arabischer Übertragungswege und der anfänglichen Skepsis mancher reformistischer Denker wie Raschid Rida ist historisch korrekt. Doch die Gesamtthese neigt zur Entlastung des Islams und zur Belastung Europas und Israels. In einer Zeit, in der jüdisches Leben in europäischen Städten wieder bedroht ist, ist das politisch riskant.
Ein rechtsintellektueller Blick besteht darauf, die Dinge beim Namen zu nennen: Der muslimische Antisemitismus hat tiefere Wurzeln als den europäischen Import. Er speist sich aus einer Tradition der Superiorität und der theologischen Ablehnung, die durch den modernen Konflikt und die Migration nach Europa eine neue, gefährliche Dynamik erhalten hat. Wer das leugnet oder relativiert, handelt nicht im Interesse der Aufklärung, sondern im Interesse einer ideologischen Schonung, die am Ende die Schwächsten trifft – die Juden in Europa und die realistischen Kräfte innerhalb der muslimischen Gemeinschaften, die eine echte Reform wollen.
Die Debatte braucht keine weiteren Beschwichtigungsnarrative. Sie braucht die Einsicht, dass Kulturen Verantwortung tragen und dass die westliche Gesellschaft das Recht und die Pflicht hat, ihre eigenen Grundlagen gegen importierte Feindseligkeiten zu verteidigen. Die Geschichte ist kein Baukasten, aus dem man die unbequemen Teile herausnimmt. Sie ist ein Kontinuum – und der Judenhass im islamischen Kontext gehört dazu.